Frauen in den Isländersagas

Die Geschichten die in den Isländer Sagas erzählt werden, handeln vorrangig von Taten die Männer vollbracht haben. Erfährt man aus den Sagas etwas über Frauen, ist das in der Regel, bis auf wenige Ausnahmen, eher am Rande der Fall.
Trotzdem ist es nicht so wenig wie es auf den ersten Blick scheint. In den Sagas finden sich Informationen über die Ehe, die Scheidung, Landnahme durch Frauen, Rache sowie Frauen in vermeintlich rein männlichen Tätigkeiten. Hier ein paar Beispiele.

Die Ehe

Im allgemeinen wurden Frauen von ihrem Vater verheiratet. Er hatte das Recht den Ehemann für seine Tochter auszusuchen. Wollte ein Mann eine Frau heiraten, suchte er sich jemanden, möglichst jemanden der hoch geachtet war, und bat ihn bei dem Vater der gewünschten Braut um diese zu werben.

Dieser ging dann zum dem Vater der begehrten Frau und sagte: „Da ist ein Mann namens Nafn, zu diesem haben wir folgendes Verhältnis, und wir haben ihn als tüchtig erprobt. Er will um Deine Tochter anhalten und wir wollen seine Werbung unterstützen.

Der Vater, bzw. die Familie hatte das Recht eine Tochter auch gegen deren Willen zu verheiraten. Oft wollte der Vater dies aber anscheinend nicht gegen den Willen seiner Tochter tun. So fragten die Väter (manchmal auch andere Verwandte) die Tochter, ob sie diese Werbung annehmen möchte.

Bei der Entscheidung ging es nicht vorrangig um Liebe. Sicherlich spielten auch Abneigungen und Zuneigungen eine Rolle, aber vor allem ging es auch um das persönliche Ansehen und das der Sippe. Genauso wie die Männer, waren auch die Frauen sehr auf ihre Ehre bedacht und wollten diese auf keinen Fall durch eine geringe Heirat geschmälert wissen,

Es konnte sein das ein Mann dem Vater oder der Frau selbst nicht einflussreich genug erschien. Mitunter kam es dann vor, das der Werber die Werbung unterstützte (wenn es in seinem Interesse lag), indem er dem werbenden Stellung oder Gut verlieh, was diesem mehr Ansehen verschaffte. War die Tochter mit der Werbung einverstanden, sagte sie zum Vater. Er möge in dieser Sache entscheiden.

Als ein Werber bei Ljotolf für Skidi um Yngvild warb, antwortete Ljotolf: „Ich will sie nicht wieder ihren Willen verheiraten.“ Sie gingen zu Yngvild und brachten es zur Sprache, ob sie Skidi heiraten wolle. Sie sprach zu Ljotolf: „Mich dünkt du achtest mich gering, wenn du mich deinem Sklaven geben willst.“ Ljotolf antwortete: „Da kann ich dir helfen, ich schenke ihm die Freiheit und so viel Vermögen, dass ihr von keinem Menschen abhängig und um so selbstständiger seid, je mehr ihr erwerbt.“ „Dann ist es recht,“ sagte Yngvild.

Obiges war der Idealfall, natürlich ging es mitunter auch mit weniger Fürsorge für die Tochter von statten: Thorstein war schon bejahrt, und die Frau war ihm nur des Geldes wegen gegeben worden.

War eine Frau verwitwet, konnte sie selbst entscheiden wenn sie heiraten wollte. Die Familie durfte darüber nicht mehr entscheiden.

Scheidung

Die Frau hatte das Recht einseitig die Scheidung auszusprechen. Dies war der Fall wenn Sie in Ihren rechten gekränkt wurde oder sich schlecht behandelt fühlte. Dazu war nichts weiter nötig, als das die Frau sich Zeugen ernannte und vor diesen erklärte das sie die Ehe als geschieden betrachte.

þordis nannte Zeugen dafür das sie sich von ihrem Mann Börk als geschieden betrachte. Sie gab als Grund an, das er sie geschlagen habe.

Ann lud Zeugen ein und ging mit ihnen zum Ehebett, dort erklärte sie vor den Zeugen das sie sich von Hrutt scheiden will, ebenso verfuhr sie nochmals an der Haustür. Anschließend wurde die Scheidung nochmals auf dem Thing verkündet.

Nach der Scheidung blieb die Frau nicht mittellos, ihr Ex hatte die Pflicht ihr alles was sie mit in die Ehe eingebracht hatte wieder auszuzahlen. Evtl. sogar einen Teil des Zugewinns den sie in der Ehe gemeinsam erwirtschaftet hatten. Weigerte er sich das zu tun, brauchte die Frau jedoch jemanden der ihr half ihr recht auch durchzusetzen. Denn es gab in Island zwar Gesetze, jedoch keine Instanz welche diese durchsetze. Deshalb reichte es nicht recht haben, man musste es auch durchsetzen können.

Vigdis scheidet sich von Thord Goddi – Da sich ihr Mann feindselig gegen einen ihrer Verwandten gezeigt hatte, erklärte Vigdis das sie sich als von Thord geschieden betrachte. Daraufhin reiste sie zu ihren Verwandten und teilte ihnen dies mit. Thord Brüller, das Oberhaupt der Familie billigte das nicht. Indessen blieb alles ruhig.

Frauen und Landnahme

In der Sage – Die Leute aus dem Lachswassertal – wird von einer Frau erzählt, die Ann heißt: Ann verließ ihre Wohnstätte in Schottland und beschloss in Island zu siedeln. Von Schottland aus fuhr sie zunächst auf die Orkneys, dann auf die Färöer und von dort aus nach Island.
Auf Ihrer Fahrt nach Island nahm sie großen Reichtum mit. Begleitet wurde sie dabei von denjenigen Ihrer Familie die noch am Leben waren.
Auch wurde sie von mehreren Männern großer Tüchtigkeit und hoher Abstammung begleitet.
Als sie in Island ankam, wohnte sie mit ihren Leuten den ersten Winter bei ihrem Bruder Björn. Nach dem Winter suchte sie Land auf dem sie sich niederlassen wollte. Sie fuhr in den Hvammsfjord. Dort nahm sie viel Land in Besitz. Als sie weiter in den Fjord hineinfuhr, fand sie in dessen innerem Teil ihre Hochsitzpfeiler die dort an Land getrieben worden waren (die sie wohl bei ihrer Ankunft in Island über Bord geworfen hatte). Daraufhin baute sie dort einen Hof und nannte ihn Hvamm.
Nachdem der Hof errichtet war verteilte sie Land an die Männer, die sie auf Ihrer Reise begleitet hatten. Auch ließ sie einige Leibeigene frei und gab ihnen Land.
Als Ann starb wurde sie mit einem Schiff in einem Hügel beigesetzt.

Im Landnahmebuch findet sich auch Thurid Sundfüllerin welche die Bolungravik nahm und in Vatsnes wohnte. Sundfüllerin wurde sie genannt weil sie in Norwegen die Meerenge voll Fisch zauberte.

Auch Steinun die Alte wird im Landnahmebuch erwähnt, sie siedelte in Rosmhvalnes,

Frauen und Rache

Oft wird in den Sagas von Frauen erzählt die ihre Familie dazu antreiben Rache zu nehmen.

In der Sage – Die Leute aus dem Lachswassertal – wird erzählt das Kjartan wurde von Bolli erschlagen wurde, wodurch die Familie von Kjartan zur Rache verpflichtet war. Aus verschiedenen Gründen fand diese jedoch nicht statt.
Womit Thorgerd jedoch sehr unzufrieden war. Eines Tages rief sie ihre Söhne Steinthor und Halldor (Kjartans Brüder) zu sich. Sie sagte ihnen das sie gedenke ihre Freundin Aud zu besuchen und ihre Söhne sie dabei begleiten sollten.
Sie ritten bis sie am Hof Sælingsdalstunga vorbei kamen. Da hielt Thorgerd an und fragte: „Wie heißt dieser Hof?“ Daraufhin antwortete Halldor: „Du fragst nicht als wüsstest du das nicht bereits Mutter! Dieser Hof heißt Tunga“.
„Und wer wohnt dort?“ erkundigte sich Thorgerd.
Worauf Halldor erwiderte: „Du weißt es doch Mutter“.
Schwer atmend sagte Thorgerd daraufhin: „Natürlich weiß ich das hier Bolli wohnt, der Mörder eures Bruders und sehr unähnlich zeigt ihr euch eures edlen Vorfahren, das ihr nicht Rache nehmen wollt für einen edlen Bruder, wie es Kjartan war. So hätte euer Großvater Egil nicht gehandelt, und es ist bitter Söhne ohne Tatkraft zu haben, und ich meine wirklich zu euch würde es besser passen das ihr Töchter eures Vaters und verheiratet wäret. Es ist nun so Halldor wie es im Sprichwort heißt, dass in jeder Familie ein unnützes Glied ist, und ganz deutlich ist mir, was Olafs Unglück war. Dass ihm die Söhne so missraten sind. An dich Halldor richte ich meinen Anspruch, weil du der älteste unter den Brüdern bist. Nun können wir umkehren, denn das war mein eigentliches Vorhaben, euch daran zu erinnern.
Da antwortete Halldor: „Dir werden wir nicht die Schuld daran geben können wenn wir das vergessen sollten Mutter“.

Aber Frauen trieben nicht nur dazu an Rache zu nehmen, sondern vollzogen sie durchaus auch eigenständig.
Ebenfalls in – Die Leute aus dem Lachswassertal – wird von Aun und Thord erzählt. Thord ließ sich von Aun scheiden, weil er lieber eine andere Frau heiraten wollte.
Dadurch fühlte sich Aud in ihrer Ehre stark herabgesetzt. Deshalb ritt sie nachts zum Hof von Laugar, auf dem Thord wohnte. Dort stieg sie vom Pferd und ging zur Tür, diese war nicht verschlossen. Sie betrat das Herdhaus und ging zu der Kammer, in der Thord schlief. Die Tür zu der Kammer war zwar geschlossen, aber nicht verriegelt.
Aud betrat die Kammer und weckte den schlafenden Thord. Dieser drehte sich zur Seite und sah das jemand in der Kammer war. Da zückte Aud ein Schwert, hieb nach Thord und versetzte ihm eine starke Wunde. Sie traf seinen rechten Arm und verletzte ihn an beiden Brustwarzen. Dabei schlug sie so fest zu, das das Schwert im Bettkasten stecken blieb.
Daraufhin verließ Aud die Kammer, stieg auf ihr Pferd und ritt Heim.

In der Gisli Saga wird erzählt wie Eyjolf, der Mörder von Gisli von Börk bewirtet wird. Börks Frau ist Thordis, die Schwester Gislis. Börk besteht darauf das Thordis Eyjolf gastlich bewirtet.
Und am Abend, als sie das Essen auftrug, ließ sie den Löffelkasten fallen. Eyjolf hatte zwischen dem Seitenbrett seiner Bank und zu seinen Füßen sein Schwert liegen, das vorher Gisli gehört hatte.
Thordis erkannte das Schwert. Und als sie sich nach den Löffeln bückte, packte Thordis das Schwert beim Griff und richtete es auf Eyjolf und wollte ihn mitten durchbohren …
Thordis verkündete da vor Zeugen ihre Scheidung vor Börk und sagte, sie werde von jetzt ab sein Bett nicht mehr berühren.

In den – Fünf Geschichten aus dem östlichen Nordlanden – greift Thorolf den Ref mit einem Schwert in dessen Haus an. Als Thorolf daraufhin aus dem Haus fliehen wollte, trat im Thorbjörg Katla, Refs Mutter in den Weg. Sie packte ihn, warf sich auf ihn und biss ihm die Kehle entzwei.

Frauen in männlichen Künsten

Liest man von Skalden oder hört von Schmieden, verbindet man das eigentlich ausschließlich mit Männern. Aber das muss anscheinend nicht so sein. Zwar liest man in den Isländer Sagas nicht viel von dichtenden und schmiedenden Frauen, aber es hat sie anscheinend gegeben. Denn auch wenn nicht ausführlich von ihnen geschrieben wird, ließt man doch ab und zu einen Satz in dem von ihnen erzählt wird.

In einem Teil der – Fünf Geschichten aus dem östlichen Nordlanden – erfahren wir das es anscheinend auch Skaldinen gab. So heißt es dort: Eilif hatte Thordis die Skaldin zur Frau …
In den fünf Geschichten von Ächtern und Blutrache heißt es: „Ein Mann namens Thorvald wohnte auf Seespitz im Elsterntal, er war groß und stark, seine Frau hieß Thorgrimma mit dem Beinamen die Schmiedin.

An einer anderen Stelle steht: „ … und holten sich am Elsterntalsee die Ochsen, die der Schmiedin Thorgimma gehörten …

In einer anderen Sage heißt es: … ihre nächste Nachbarin war Thorfinna die Skaldin, die auf Thorvardstetten wohnte.