![]() Schwertfunde aus Nydam |
Der Grund dafür warum unsere Ahnen auf Beleidigungen, Schmähungen, Spotverse |
und ähnliches so massiv reagierten, war die Macht des Wortes.
Für die germanische Seele war es wahr, das ein Wort ein Wort ist, aber die
Menschen verstanden darunter das, dass Wort lebendig oder der Mann selbst sein
muss.
Daher die Macht der Verwünschungen, sie lärmen nicht, sie drohen nicht, sie
beschreiben einen Zustand der Dinge der sein wird.
Wenn jemand mit viel Heil etwas sagte, dann machte er es war, es wurde real.
Da dies jedoch die Ehre des beleidigten schmälerte, musste er unbedingt etwas
dagegen unternehmen.
Denn ohne Ehre und Heil würde der Sippe nichts mehr glücken und sie wäre dem
Untergang geweiht.
Wobei das mit dem wahr werden der Worte ja gar nicht so aus der Luft gegriffen
ist. Nehmen wir mal an da sind Björn und Tjalfe. Nun sagt
Tjalfe zu Björn, das Björns Schwester eine hässliche Krähe und Björn selbst ein
Feigling wäre.
Sollte sich Björn gegen diese Behauptung nicht wehren, wäre die Aussage wahr, er
wäre ein Feigling und seine Schwester, da Björn ein Feigling ist was der
Sippenehre einen gewaltigen Knacks versetzt hat, wird in den Augen der anderen
Sippen unattraktiv.
Jede Sippe wird sich hüten, eine Verbindung mit einer Sippe einzugehen, die die
eigene Ehre herabsetzt.
Weil aber Björns Schwester nun wiederum nicht verheiratet werden kann, wird die
Ehre der Sippe noch mehr verringert, so zieht dann eins das andere nach sich.
Deshalb muss nun Björn unbedingt beweisen das sein Heil und seine Ehre die
mächtigeren sind, damit das ausgesprochene nicht war wird. Was am nachhaltigsten
zu bewerkstelligen ist in dem man den anderen erschlägt.
Womit ganz eindeutig bewiesen ist das, das eigene Heil das gewichtigere ist und
die Worte des anderen nicht war sein können.
Das Wort hatte Macht und bahnte den Taten den Weg.
Ein Mann tritt auf den Stock, das heißt er setzt seinen Fuß auf den Herdbalken,
wenn er den Eid schwört das Mann in Zukunft von ihm hören soll, und sein innerstes
Leben ist in der Erklärung, nein mehr, die ganze Kraft seiner Verwandten erfüllt
sie. Kein Widerruf ist dann möglich, das heißt das Wort geht voran und bahnt der
Tat den Weg, aber es zieht auch den Sprecher mit sich, denn sein Wort wäre
verloren und würde seine Hamingja mit sich reißen, wenn es nicht
eingelöst würde.
Du wagst es nicht, das reichte um einen Mann dazu zu bringen sein Leben einzusetzen.
Als Gregorius Dagson und Hakon sich trafen war zwischen ihnen ein vereister Fluss
und Hakon hatte unter dem Schnee versteckte Waken hauen lassen.
Gregorius traute dem Eise nicht und wollte zur Brücke gehen. Aber die Bauern
verstanden nicht das ihm der Mut fehle auf gutem Eise gegen ein kleine Streitmacht
vorzurücken.
Gregorius antwortete:
„Selten war es nötig das man mich wegen mangels an Mut verspottete, es soll auch
jetzt nicht nötig sein, seht ihr nur zu das ihr folgt wo ich vorangehe, ihr seid
es ja die schlechtes Eis versuchen wollt.
Ich habe keine Lust dazu aber eure Sticheleien will ich nicht dulden. |
![]() Schwertfund aus Nydam |
Sprach er und fiel.
Da was ein Mann der Mar hieß und den wollten gewisse Leute gern für immer
loswerden. So kam eines Tages ein Mann auf Mars Hof und erzählte ihm das
einer von Mars Ochsen draußen im Moor liege. Mar wusste wohl wo seine
Ochsen waren und sich keiner davon im Moor befand.
Weshalb er keine Lust hatte ins Moor zu gehen.
Da der andere jedoch meinte das es merkwürdig sei das Mar sich nicht ins
Moor traue um nach seinem Ochsen zu sehen, ging Mar ins Moor und
fand dort seinen Tod.
Es war oft gut seine Feinde mit Worten anzugreifen bevor man sie mit Waffen
Angriff, so konnte man sie erst mal von innen heraus angreifen, ihrer Ehre
hemmen, die Waffe untauglich machen, sie unvorsichtig machen und ihre Schritte
hemmen.
In Saxos Bericht über Fridleifs Kampf mit dem Jöten, beginnt der König den
Kampf mit Schmähungen.
„Du drei-leibiger Jöte, der du die Stirn beinahe gegen den Himmel schlägst,
warum lässt du das lächerliche Schwert am Gürtel baumeln? Warum schützt du
deine kräftige Brust mit einem zerbrechlichen Schwert?
Du vergisst wie groß du bist und verlässt dich auf einen kleinen Dolch. Bald
werde ich deinen Ausfall vereiteln, wenn du mit der stumpfen Schneide haust.
Jetzt ist zu befürchten das, das Schwert zu leicht wird und das seine
Schneide sich außerstande zeigt durchzudringen.
Da du so ein ängstliches Tier bist solltest du auf die Nase fallen, denn in
deinem stolzen Körper trägst du ein feiges und furchtsames Herz und dein Mut
ist nicht deinen Gliedern gleich.
Deshalb sollst Du Ruhmlos fallen, nicht unter den kecken deinen Platz haben,
sondern unter denen die keiner kennt eingereiht werden.“
Jetzt sollte der Jöte so schnell wie möglich zuschlagen, denn er darf den
Worten keine Gelegenheit geben tief in ihn einzudringen und wahr zu werden.
Als die Briten einmal von dem König der Nothumberländer angegriffen wurden,
hatten sie ein ganzes Heer von Mönchen mitgenommen und an einem sicheren Ort
aufgestellt, damit diese während des Kampfes beten sollten. König Æthelfrid
ließ zuerst diese Mönche von seinem Heer angreifen und nieder hauen und dann
erst die Krieger.
„Wenn sie ihren Gott gegen uns anrufen, kämpfen sie ja gegen uns, auch wenn
sie keine Waffen gebrauchen.“
Diese Handlungsweise zeigt das er anscheinend die Worte der Mönche für
bedrohlicher hielt als die Waffen der Krieger.
Orðheill ist der Isländische Ausdruck für einen Wunsch der Macht
hat, entweder zum guten oder zum schlechten, je nachdem der Sprecher seinen
guten Willen in die Worte legte und den Wunsch zum Segen machte, oder ob er sie mit seinem Hass erfüllte und sie so
zum Fluch machte.