Über die Frau der Rus berichtet Ibn Fadlan. Die Frauen tragen auf der Brust
eine Dose aus Eisen, Silber oder Gold, je nach Reichtum und Stellung des
Mannes.
An der Dose sitzt ein Ring und daran ein Messer, das ebenfalls an der Brust
befestigt ist. Um den Hals tragen sie Ketten aus Silber und Gold.
Wenn nämlich der Mann zehntausend arabische Silbermünzen besitzt, lässt er
seiner Frau eine Kette anfertigen. Besitzt er zwanzigtausend, bekommt sie
zwei Halsketten.
Und so bekommt seine Frau jedes Mal eine Kette wenn er um zehntausend Dirhem
reicher wird.
Webstuhl |
Die Form der Fibeln war nationale Tracht, so trugen die Skandinavische Frauen |
vom Festland immer ovale Spangen und die aus Gotland hohe Dosenspangen.
Auf Oronsay wurde eine Frau in einem Schiff beerdigt, eine im Norden seltene
aber doch belegte Sitte.
Hat die Frau vielleicht auch zu Lebzeiten eine männergleiche Häuptlingsstellung
eingenommen ?
Zumindest zeigen solch Gräber die urtümliche Gleichberechtigung der nordischen
Frau.
Wie auch Königin Åsa die das wohl prunkvollste Grab hatte das gefunden wurde.
Witwen verfügten selbst über ihr Vermögen und ihr künftiges Leben.
Die Frau war ihrer Natur entsprechend vor Waffenkämpfen geschützt. Streitigkeiten
hatte der Mann für sie aus zufechten, aber nichts hinderte, das sie selbst zur Waffe
griff, in Notwehr selbstredend, sogar als Rache aber auch im Kriegsfall und
wahrscheinlich auch aus freier Wahl. Wie des öfteren angedeutet wird.
So in den fränkischen Analen des 9. Jahrhunderts die berichten von Frauen in den |
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Wikingischen Heeren nur über ihre Rolle in ihnen sind sie sich nicht schlüssig.
Vielleicht sind sie sich aber auch nur deswegen nicht schlüssig weil sie sich einfach
nicht vorstellen konnten das Frauen im Kriegsdienst stehen könnten.
Den Frauen zur Stillung der Gelüste gab es beim Beute machen mehr als genug.
Auch waren weibliche Händler wohl keine Seltenheit, wie die ausgehobenen Gräber der
Rus zeigen.
Denn die Hälfte der Gräber, in denen Waage und Gewichte, die Typische Grabbeigabe
eines Händlers, gefunden wurden, waren Frauengräber. Und auch bei der Landnahme auf
neuen Inseln, haben Frauen ebenso wie Männer Äcker und Felder für sich einfrieden
können, dafür gab es eine besondere gesetzliche Regelung.
Wie wir sehen war die germanische Frau dem Mann gegenüber durchaus gleichberechtigt.
Sie konnte ein Leben als Hausfrau führen, wobei sie dann die Gewalt über Haus und
Hof hatte, wie der Schlüssel den sie offen an ihrem Gürtel trug anzeigte.
Oder sie konnte sich wie es aussieht auch unter die Männer mischen und dem gleichen
Erwerb nachgehen wie sie, auch wenn das Ausnahmen gewesen sein mögen.
Auf jeden Fall war auch die Frau sehr auf die Erhaltung ihrer Ehre bedacht und bereit
jede Schmach zu rächen, egal wem gegenüber. Wie es das folgende Beispiel recht
anschaulich zeigt.
Verschiedene Schlüssel |
Einst versetzte Gunnar der Hallgärd eine Ohrfeige, |
als dann später irgend wann Gunnars
Hof angegriffen wurde und er eine Sehne für seinen Bogen brauchte, sagte er zu seiner
Frau:
„ Gib mir zwei Locken von Deinem Haar und flechte sie zusammen zu einer Bogensehne für mich“
„ Liegt dir etwas daran ?“
fragte sie.
„Mein Leben liegt daran“
sagte er,
„denn sie werden mich nicht unterkriegen solange ich meinen Bogen benutzen kann.“
„So will ich dich nun an die Maulschelle erinnern, und mich kümmert nicht, ob du länger
wehrst oder kürzer.“
Gunnar wehrte sich lange, doch endlich schlugen sie ihn tot.
Inmitten einer Gesellschaft, in welcher jeder Mann für jedes müßige Wort, das er gegen
einen Mitmenschen ausgesprochen hatte, zur Verantwortung gezogen wurde, stand
die Frau und erlaubte sich ein Urteil über ihren Nachbarn, als ob sich ein Wort niemals
gegen seinen Urheber hätte kehren können.
Und sie kannte ihre Macht, wenn sie ihre Ansicht über den Wert eines Mannes oder seinen
Mangel an Wert frei in Worte kleidete, die an Offenheit nichts zu wünschen übrig ließen.
Nicht das die Worte einer Frau weniger Kraft gehabt hätten als die eines Mannes, im
Gegenteil. Er geht fort mit einem unheimlichen Gefühl in der Seele, den die Worte einer
Frau haben einen doppelten Stachel, wie ihre Ratschläge auch, sie kommen unmittelbar von
den Mächten.
Wenn sich Sippenangehörige untereinander schlugen, so kamen die Frauen dazu und warfen
zusammen geknüllte Kleider über die gezückten Waffen, wodurch sie den Zweikampf dermaßen
ins lächerliche zogen, das die Männer ihn beschämt abbrachen.
Aus den Sagas wissen wir wie viel Gewicht die Ratschläge der Frauen bei den Entscheidungen
der Männer hatten, ein Mann pflegte aufmerksam aufzuhorchen wenn der Klang ihrer Stimme
ihm verriet das sie wahrsagte.
Frauen schwuren Eide auf ihr Haar das der Träger ihres Heils war, indem sie beim Schwören
ihren Zopf ergriffen. Doch steht auch viel über die Rachsucht der Frauen geschrieben, oft
schickten die Frauen die Söhne und Männer in den sicheren Tod um Rache zu nehmen .
Frauen waren oft die Wächter über die Sippenehre, sie trieben ihre Männer und Söhne in den
Tod wenn diese von selbst keine rechte Lust dazu zeigten.
Thorgerd, Olaf Pfaus Frau, war eine Egilstochter und sie hatte den Sippenstolz ihres Vaters.
Sie bat einmal ihre Söhne ihr auf eine Reise nach Westen zu folgen, und als die Gesellschaft
vor den Hof Tunga kam, wendete sie ihr Pferd und sagte:
„Wie heißt der Ort?“
Die Söhne antworteten:
„Das weißt Du doch, er heißt Tunga.“
„Wer wohnt dort?“
„Weißt du das nicht, Mutter?“
„Doch“,
antwortete Thorgerd mit einem tiefen Seufzer,
„das weiß ich freilich, dort wohnt der Töter eures Bruders. Ihr seid nicht wie eure
Gesippen geartet, das ihr einen solchen Bruder wie Kjartan nicht rächen wollt, nie
hätte euer Muttervater Egil so gehandelt, schlimm ist es Tatenlose Söhne zu haben,
so wie ihr seid hättet ihr die Töchter eures Vaters sein sollen und hättet verheiratet
werden müssen.
Wie sagt das Sprichwort, Halldor: „Ein Tropf ist in jedem Geschlecht, darin war Olaf
unglücklich, das lässt sich nicht leugnen, seine Söhne missglückten ihm.
Jetzt können wir umkehren, nur das hier war mein Geschäft, euch daran zu erinnern wenn
ihr es vergessen haben solltet.
“Halldor hat recht wenn er sagt:
„Dir werden wir nicht die Schuld daran geben wenn es uns aus dem Sinn kommen sollte.“