{"id":6124,"date":"2024-09-21T20:56:34","date_gmt":"2024-09-21T20:56:34","guid":{"rendered":"https:\/\/schiffsmond.net\/?p=6124"},"modified":"2024-09-23T18:38:45","modified_gmt":"2024-09-23T18:38:45","slug":"das-havamal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schiffsmond.net\/index.php\/das-havamal\/","title":{"rendered":"Das H\u00e1vam\u00e1l"},"content":{"rendered":"<p>Das H\u00e1vam\u00e1l ist eine Sammlung von Strophen in denen Odin den Menschen Rat gibt. Es ist ein Teil der Edda und soll angeblich soll es schon im 10. Jahrhundert bekannt gewesen sein.<br \/>\nAls ich das H\u00e1vam\u00e1l das erste mal gelesen hatte, war ich \u00fcberrascht dar\u00fcber. Ich h\u00e4tte nicht erwartet \u201ewikingerzeitliche\u201c Verse zu finden, die Ratschl\u00e4ge \u00fcber gutes, bzw. vern\u00fcnftiges Verhalten beinhalten.<br \/>\nStellen sie doch eher das Gegenteil dessen dar, was im allgemeinen von den Wikingern erwartet wird. Werden Germanen und Wikinger im allgemeinen doch eher als rohe Gesellen dargestellt, deren Freude vor allem im Trank und in der Schlacht liegt, nebst einem gewissen Hang zu Raub und Pl\u00fcnderung.<\/p>\n<p>Was am H\u00e1vam\u00e1l auch sehr sch\u00f6n zu sehen ist, ist das Odin nicht nur Weisheit besitzt, sondern ihm auch Sitte, Wohlverhalten und gutes Benehmen wichtig sind.<\/p>\n<p><strong>So wird geraten sich unter fremden eher zur\u00fcckhaltend und unauff\u00e4llig zu verhalten.<\/strong><\/p>\n<p>Doch steife sich Niemand auf seinen Verstand.<br \/>\nAcht hab er immer.<br \/>\nWer klug und wortkarg zum Wirte kommt<br \/>\nschadet sich selten.<\/p>\n<p>Denn festeren Freund als kluge Vorsicht,<br \/>\nmag der Mann nicht haben.<br \/>\nVorsichtiger Mann, der zum Male kommt,<br \/>\nschweigt lauschend still.<br \/>\nMit Ohren horcht er, mit Augen sp\u00e4ht er<br \/>\nund forscht zuvor verst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Ein unkluger Mann, der zu Andern kommt,<br \/>\nschweigt am Besten still.<br \/>\nNiemand bemerkt, das er nichts versteht,<br \/>\nso lang er zu sprechen scheut.<br \/>\nNur freilich wei\u00df wer wenig wei\u00df<br \/>\nauch das nicht, wann er schweigen soll.<\/p>\n<p>Selig ist, wer selbst sich mag<br \/>\nIm Leben l\u00f6blich raten.<br \/>\nDenn \u00fcbler Rat wird oft dem Mann<br \/>\naus des Andern Brust<\/p>\n<p><strong>Dem Trank soll man unter fremden nur m\u00e4\u00dfig zusprechen, um sich nicht unvern\u00fcnftig oder ungeb\u00fchrend zu verhalten.<\/strong><\/p>\n<p>Nicht \u00fcbleren Begleiter gibt es auf Reisen,<br \/>\nals Betrunkenheit ist.<br \/>\nUnd nicht so gut als Mancher glaubt<br \/>\nist \u00c4l den Erdens\u00f6hnen,<br \/>\nDenn um so minder je mehr man trinkt,<br \/>\nhat man seiner Sinne Macht.<\/p>\n<p>Lange zum Becher nur, doch leer ihn mit Ma\u00df,<br \/>\nsprich gut oder schweig.<br \/>\nNiemand wird es ein Laster nennen,<br \/>\nwenn du fr\u00fch zur Ruhe f\u00e4hrst.<\/p>\n<p><strong>Zwar soll der Mann wehrhaft sein und sich nicht feige verhalten.<\/strong><\/p>\n<p>Von seinen Waffen weiche Niemand<br \/>\neinen Schritt im freien Feld.<br \/>\nNiemand wei\u00df unterwegs wie bald<br \/>\ner seines Speers bedarf.<\/p>\n<p>Der Unwerte Mann meint ewig zu leben,<br \/>\nwenn er vor Gefechten flieht.<br \/>\nDas Alter g\u00f6nnt ihm doch endlich nicht Frieden.<br \/>\nObwohl der Speer ihn spart.<\/p>\n<p><strong>Und doch wird das Leben gegen\u00fcber dem Tod vorgezogen, auch wenn es nicht heldenhaft ist.<\/strong><\/p>\n<p>Leben ist besser, auch Leben in Armut.<br \/>\nDer Lebende kommt noch zur Ruhe.<br \/>\nFeuer sah ich des Reichen Reicht\u00fcmer fressen,<br \/>\nund der Tod stand vor der T\u00fcr.<br \/>\nDer Hinkende reite, der Handlose h\u00fcte,<br \/>\nder Taube taugt noch zur Tapferkeit.<br \/>\nBlind sein ist besser als verbrannt werden.<br \/>\nDer Tote n\u00fctzt zu nichts mehr.<\/p>\n<p><strong>Auch soll man sich nicht \u00fcber andere erheben und sich \u00fcber sie lustig machen, noch \u00fcber das Alter spotten.<\/strong><\/p>\n<p>Der Armselige, \u00dcbelgesinnte<br \/>\nhohnlacht \u00fcber alles<br \/>\nUnd wei\u00df doch selbst nicht was er wissen sollte,<br \/>\ndas er nicht fehlerfrei ist.<\/p>\n<p>Der alberne Geck, gewinnt er etwa<br \/>\nGut oder Gunst der Frauen,<br \/>\nGleich schwillt ihm der Kamm, doch die Klugheit nicht.<br \/>\nNur im Hochmut nimmt er zu.<\/p>\n<p>Laster und Tugenden liegen den Menschen<br \/>\nin der Brust beieinander.<br \/>\nKein Mensch ist so gut, das nichts ihm mangle,<br \/>\nnoch so b\u00f6se, das er zu nichts n\u00fctzt.<\/p>\n<p>Haarlosen Redner verh\u00f6hne nicht.<br \/>\nOft ist gut was der Greis spricht.<br \/>\nAus welker Haut kommt oft wei\u00dfer Rat.<br \/>\nH\u00e4ngt ihm die H\u00fclle gleich,<br \/>\nschrinden ihn auch Schrammen,<br \/>\nder unter Wichten wankt.<\/p>\n<p><strong>Man soll den Wert guten Freund erkennen und Freundschaften gut pflegen.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Umweg ist es zum untreuen Freunde,<br \/>\nwohnt er gleich am Wege.<br \/>\nZum trauten Freunde f\u00fchrt ein Richtsteig,<br \/>\nwie weit der Weg sich wende.<\/p>\n<p>Freunde sollen mit Waffen und Gew\u00e4ndern sich erfreuen,<br \/>\nden sch\u00f6nsten, die sie besitzen.<br \/>\nGab und Gegengabe begr\u00fcndet Freundschaft,<br \/>\nWenn sonst nichts entgegen steht.<\/p>\n<p>Weist du den Freund, dem du wohl vertraust<br \/>\nund erhoffst du Holdes von ihm,<br \/>\nso tausche Gesinnung und Geschenke mit ihm,<br \/>\nund suche manchmal sein Haus heim.<\/p>\n<p>Gewannst du den Freund, dem du wohl vertraust,<br \/>\nso besuche ihn nicht selten.<br \/>\nDenn Strauchwerk gr\u00fcnt und hohes Gras.<br \/>\nAuf dem Weg, den Niemand wandelt.<\/p>\n<p><strong>Auch kleine Aufmerksamkeiten sind es Wert gegeben zu werden,<\/strong><\/p>\n<p>Die Gabe muss nicht immer gro\u00df sein.<br \/>\nOft erwirbt man mit Wenigem Lob.<br \/>\nEin halbes Brot, eine Neige im Becher<br \/>\nGewann mir wohl den Gesellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das H\u00e1vam\u00e1l ist eine Sammlung von Strophen in denen Odin den Menschen Rat gibt. 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