{"id":5020,"date":"2018-11-24T19:51:44","date_gmt":"2018-11-24T19:51:44","guid":{"rendered":"https:\/\/schiffsmond.net\/?p=5020"},"modified":"2024-09-03T19:32:06","modified_gmt":"2024-09-03T19:32:06","slug":"warum-die-meisten-dolchstuecke-von-einem-kurz-gegriffenem-dolch-ausgehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schiffsmond.net\/index.php\/warum-die-meisten-dolchstuecke-von-einem-kurz-gegriffenem-dolch-ausgehen\/","title":{"rendered":"Warum die meisten Dolchst\u00fccke von einem kurz gegriffenem Dolch ausgehen"},"content":{"rendered":"<p>Oft wird erz\u00e4hlt das es daran liegt das der Dolch rechts am G\u00fcrtel getragen wurde. Woraus sich die kurze Griffhaltung ergibt, wenn man den Dolch mit der rechten Hand zieht.<br \/>\nDieser Umstand soll dann dazu gef\u00fchrt haben das man vor allem von Situationen ausging, in denen der Angreifer mit einem kurz gehaltenem Dolch angriff.<br \/>\nSieht man sich aber historische Abbildungen an, auf denen die dargestellten Personen einen Dolch tragen, erkennt man schnell das es daran nicht liegen kann. Denn der Dolch wurde mit Nichten stets rechts getragen, sondern an allen erdenklichen Stellen am G\u00fcrtel. Wenn auch fast nie links.<\/p>\n<p>Die Antwort liegt denke ich eher an der in den Dolchst\u00fccken meist verwendeten Waffe. Dem Scheibendolch. Denn der Scheibendolch m\u00f6chte gerne kurz gegriffen werden. Er l\u00e4sst sich auch lang greifen, aber lieber ist es ihm wenn man ihn kurz greift.<br \/>\nDie Entscheidung wie wir einen Dolch ergreifen, beruht entweder auf dem was wir mit der Waffe gerade zu tun gedenken und an ihren Eigenschaften.<br \/>\nWill ich einen Ober- oder Unterstich f\u00fchren, halte ich die Waffe kurz gegriffen. M\u00f6chte ich einen Mittelstich f\u00fchren, ergreife ich die Waffe lang. Ober im Fall das ich einen Schild ausf\u00fchren m\u00f6chte, mit beiden H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Bei den Eigenschaften der Waffe ist nat\u00fcrlich die Art der Klinge durchaus eine \u00dcberlegung wert. Verf\u00fcgt die Waffe \u00fcber eine Schneide gibt es durchaus Gr\u00fcnde daf\u00fcr die Waffe lieber lang als kurz zu ergreifen. Hat man bei einem lange gehaltenem Dolch doch einen Reichweitenvorteil gegen\u00fcber einem kurz gehaltenem.<\/p>\n<p>Dennoch entschieden sich die Fechtmeister bei Verwendung eines Scheibendolch oder Scheibendolchmessers, meist f\u00fcr die kurze Griffweise.<br \/>\nDenn den gr\u00f6\u00dften Einfluss darauf wie ein Dolch am liebsten ergriffen werden m\u00f6chte, ist die Ausformung seines Griffst\u00fccks.<br \/>\nIch habe zwei Dolchrepliken. Einen dreikantigen Scheibendolch und einen einschneidigen Hodendolch.<br \/>\nDer Scheibendolch war zuerst bei mir. Als ich ihn bekam habe ich ihn nat\u00fcrlich gleich ausgepackt und damit rumgespielt. Instinktiv habe ich ihn dabei zum gr\u00f6\u00dften Teil kurz gefasst. Mir dabei jedoch erst mal nichts gedacht. Denn in den Fechtb\u00fcchern wir er ja auch meist kurz gefasst.<br \/>\nSp\u00e4ter habe ich mir dann das Hodendolchmesser zugelegt. Nat\u00fcrlich habe ich mit dem Hodendolchmesser auch gleich nach dem Auspacken rumgespielt. Und wie durch das Training konditioniert, habe ich ihn auch gleich kurz gefasst \u2026.. Was sich aber irgendwie nicht so gut angef\u00fchlt hat. Also habe ich ihn lang gefasst, und mich damit viel wohler gef\u00fchlt.<\/p>\n<p>Der Scheibendolch und auch das Scheibendolchmesser lassen der Hand zwischen den beiden Scheiben nicht allzu viel Raum. So das die Hand zwischen den beiden Scheiben nicht viel Platz hat um sich zu bewegen. Was bei einem kurz gehaltenem Dolch in der Ausf\u00fchrung eines Ober- oder Unterstich nicht unangenehm oder hinderlich ist. Im Gegenteil. Die untere Scheibe verleiht der Hand bei der Ausf\u00fchrung kr\u00e4ftiger Stiche einen sicheren Halt.<br \/>\nAnders sieht es aus wenn man den Dolch lang gefasst hat. F\u00fcr einen Mittelstich erfordert im Handgelenk mehr Bewegung als im Oberstich. Den f\u00fcr die Bewegung n\u00f6tigen Platz lassen uns die beiden Scheiben aber nur sehr bedingt, wobei sich vor allem die hintere Scheibe als st\u00f6rend erweist. Sie hebelt uns den Dolchgriff bei einer gerade Stichf\u00fchrung etwas aus der Hand. So das wir im Stich entweder auf einen festen Griff verzichten, oder die Stiche bogenf\u00f6rmig f\u00fchren m\u00fcssen. Entscheidet man sich f\u00fcr die Bogenf\u00f6rmige Stichf\u00fchrung, verzichtet man daf\u00fcr auf die Schnelligkeit und Unberechenbarkeit der geraden Mittelstiche.<\/p>\n<p>In den Schriften Hans Talhoffers kann man sehen wie er die mangelnde Bewegungsfreiheit kompensiert hat. Er hat im Mittelstich den Daumen auf den Rand der unteren Scheibe, bzw. den Daumen \u00fcber die Scheibe auf die Klinge gelegt. So gewinnt man etwas mehr Platz und kann das Handgelenk besser strecken, ohne den Griff um den Dolch zu sehr lockern zu m\u00fcssen.&nbsp;Interessanterweise hat die Replik meines Scheibendolches an der unteren Scheibe eine Stelle an der ein verl\u00e4ngertes St\u00fcck der Scheibe Richtung Klinge umgebogen und nach der Biegung parallel zur Klinge verl\u00e4uft. Bevor es zungenartig ausl\u00e4uft.<br \/>\nAls ich den Schmied fragte ob er wisse wozu diese abgeflachte Stelle diene, konnte er auch nur Vermutungen aussprechen. Er vermute das es der Steigerung des Tragekomforts diene.<br \/>\nDas k\u00f6nnte durchaus sein, denn die abgeflachte Stelle liegt auf jeden Fall angenehmer am K\u00f6rper an als die Kante einer Scheibe.<br \/>\nEs k\u00f6nnte aber auch gut sein das die Zunge dazu diente den Daumen darauf zu legen. Von der Form und der Gr\u00f6\u00dfe her f\u00fchlt sie sich ideal daf\u00fcr an.<\/p>\n<p>Zusammenfassend finde ich pers\u00f6nlich das sich der Scheibendolch besser fechten l\u00e4sst wenn man ihn kurz fasst.<\/p>\n<p>Den Hodendolch kann man nat\u00fcrlich ebenso wie den Scheibendolch kurz gegriffen f\u00fchren. Wie man es auch auf den Abbildungen einzelner Fechthandschriften dargestellt findet. Wobei es sich meiner Ansicht nach bei den dargestellten Hodendolchen ausschlie\u00dflich um Hodendolchmesser handelt.<br \/>\nAber irgendwie f\u00fchlt sich ein kurz gegriffener Hodendolch nicht ganz so gut an wie ein kurz gegriffener Scheibendolch. Den Hodendolch lang zu greifen f\u00fchlt sich f\u00fcr mich einfach besser an.&nbsp;Da die Hand am Griff des Hodendolchs nicht durch die Scheiben beengt wird wenn man ihn lang greift, kann das Handgelenk mit dem Hodendolch seinen vollen Bewegungsspielraum ausnutzen.<br \/>\nWas es erm\u00f6glicht den Gegen\u00fcber mit direkt gef\u00fchrten Mittelstichen zu attackieren.<br \/>\nAuch die Schneide des Hodendolchmessers ist f\u00fcr mich ein Argument die Waffe lang zu f\u00fchren. Zwar kann man auch mit einem kurz gegriffenem Dolchmesser Schnitte ausf\u00fchren, aber im Vergleich zu einem lang gegriffenem Dolchmesser, hat man mit einem kurz gegriffenen Dolchmesser eine wesentlich geringere Reichweite. Auf engem Raum dagegen mag eben das von Vorteil sein.<\/p>\n<p>Aus diesen \u00dcberlegungen heraus w\u00fcrde ich sagen: Die Dolchst\u00fccke der Fechthandschriften behandeln vor allem deshalb zum \u00fcberwiegenden Teil Situationen mit einem kurz gehaltenem Dolch, weil in ihnen ein Scheibendolch verwendet wird.<br \/>\nUnd, dar\u00fcber ob wir einen Dolch kurz oder lang ergreifen, h\u00e4ngt vor allem von der Gestaltung seines Gehiltzes ab.<\/p>\n<p>Auch Achilles Marozzo untermauert das die Gestaltung des Griffs den Ausschlag f\u00fcr die Griffweise gibt. Und zwar durch Verzicht der kurzen Griffs. Er greift seinen Dolch \u00fcberwiegend lang &#8230; weil er keinen Scheibendolch verwendet.<\/p>\n<p>Mann k\u00f6nnte einwerfen das eine kurze Griffweise auch fechterische Vorteile bringt. Das stimmt, so l\u00e4sst sich z.B. mit einem kurz gegriffenen Dolch besser aus der eigenen Aktion heraus auf eine unerwartete gegnerische Aktion reagieren. Indem man dem Gegenangriff z.B mit der eigenen Waffe versetzt. Mit einem lang gegriffenen Dolch ist das wesentlich schwieriger.<br \/>\nDaf\u00fcr sind Stiche mit einem kurz gehaltenem Dolch in ihrer Stichbahn recht vorhersehbar. Und durch ihren leichten Bogen, den aufgrund der st\u00f6renden Scheibe beschreiben, relativ \u201elangsam\u201c.<br \/>\nEin Mittelstich dagegen ist durch seinen direkten Weg wesentlich schneller. Zwar ist seine Bahn auch relativ klar, aber die H\u00f6he des Stichs l\u00e4sst sich sehr schwer einsch\u00e4tzen. Da sich der Ausf\u00fchrende erst ziemlich sp\u00e4t entscheiden muss ob er den Stich hoch oder tief treffen l\u00e4sst.<br \/>\nDie \u00dcberlegung welche Griffweise welche Vorteile mit sich bringt k\u00f6nnte man noch fortsetzen. Ich denke jedoch nicht das die Vorteile der kurzen Griffweise derart \u00fcberwiegen, das sie deren Dominaz in den Dolchst\u00fccken erkl\u00e4ren.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oft wird erz\u00e4hlt das es daran liegt das der Dolch rechts am G\u00fcrtel getragen wurde. 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