{"id":5018,"date":"2018-11-24T16:17:37","date_gmt":"2018-11-24T16:17:37","guid":{"rendered":"https:\/\/schiffsmond.net\/?p=5018"},"modified":"2024-09-03T19:32:28","modified_gmt":"2024-09-03T19:32:28","slug":"die-fussarbeit-bei-joachim-meyer-und-achilles-marozzo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schiffsmond.net\/index.php\/die-fussarbeit-bei-joachim-meyer-und-achilles-marozzo\/","title":{"rendered":"Die Fu\u00dfarbeit bei Joachim Meyer und Achilles Marozzo"},"content":{"rendered":"<p>Sowohl Joachim Meyer als auch Achilles Marozzo, ein italienischer Zeitgenosse von Joachim Meyer, weichen in Ihrer Fu\u00dfarbeit von der fr\u00fcherer Fechtmeister ab.<br \/>\nDie Fechtmeister des 15. Jahrhunderts stehen in der Ober-, und Mittelhut mit dem linken Fu\u00df vorn und halten ihren Dolch dabei hinten. Um aus dieser Hut zu attackieren f\u00fchren sie einen Passierschritt aus, bei dem der rechte Fu\u00df und die Waffe nach vorn kommen.<br \/>\nJoachim Meyer und Achilles Marozzo dagegen haben in diesen beiden Huten den rechten Fu\u00df, und ihren Dolch vorn. Wenn sie aus diesen Huten attackieren, tun sie das mittels eines Gleitschritts, bei dem der rechte Fu\u00df vorn bleibt.<br \/>\nAuch wenn sie aus diesen Huten mit Ihrer Waffe versetzen, bleibt ihr rechter Fu\u00df vorn.<br \/>\nAls ich mich anf\u00e4nglich mit Joachim Meyer besch\u00e4ftigte, dachte ich das dies eine Eigenart von ihm sei und ihm das halt einfach zutr\u00e4glicher erschien.<br \/>\nWobei ich jedoch nicht glaubte das dies einen gravierenden Unterschied zwischen seinem Dolchfechten und dem der Fechtmeister des 15. Jahrhunderts darstellte. Zwar ergibt sich dadurch zun\u00e4chst eine abweichende Ausgangssituation. Aber ist der Angriff und damit der Stich erfolgt, haben wir die gleiche Situation wie in den St\u00fccken des 15. Jahrhunderts. Waffenhand und rechter Fu\u00df befinden sich nach dem Stich vorn. Abgesehen davon gehe ich davon aus, das es den Fechtmeistern des 15. Jahrhunderts nicht unvertraut war, sich in einer Stellung wiederzufinden in denen ihr rechter Fu\u00df und die Waffe vorn sind. Einfach weil sich das in einem Gefecht ergeben kann, wenn man&nbsp;sich verstochen hat oder der Attackierte dem Angriff nach hinten ausweicht. Diesen Umstand werden sie nicht ignoriert haben.<\/p>\n<p>Nachdem ich mich aber gerade vermehrt mit Dolchmessern besch\u00e4ftige, glaube ich nicht mehr das es sich dabei um eine Eigenart von Joachim Meyer handelt. Vielmehr glaube ich das die Ver\u00e4nderung der Auslage den ver\u00e4nderten Waffeneigenschaften geschuldet ist.<br \/>\nDaf\u00fcr spricht das sowohl Joachim Meyer als auch Achilles Marozzo sich nicht mehr vorrangig mit dem Dolch, sondern mit Dolchmessern besch\u00e4ftigen.<br \/>\nBei Achilles Marozzo ist offensichtlich das er sich mit dem Dolchmesser besch\u00e4ftigt. Er schreibt von Schnitten und die Abbildungen lassen \u00fcber die verwendete Waffe keinen Zweifel aufkommen.<br \/>\nBei Joachim Meyer sieht das ein wenig anders aus. Sieht man sich die Abbildungen in seinem Werk \u201eGr\u00fcndliche Beschreibung der freyen Ritterlichen unnd Adelichen kunst des fechtens in allerley gebreuchlichen Wehren\u201c an, identifiziert man eindeutig einen Scheibendolchsimulator. Schaut man sich in dessen Dolchteil jedoch auf Tafel D das Paar ganz links an, sieht man das sie Dolchmesser verwenden. Ich vermute deshalb das Joachim Meyer, wie es zu seiner Zeit passen w\u00fcrde, sich auf Dolchmesser bezieht und die Scheibendolchsimulatoren lediglich als Trainingsinstrument verwendet wurden.<\/p>\n<p>Die Fechtmeister des 15. Jahrhunderts dagegen besch\u00e4ftigten sich vorrangig mit dem Dolch, einer reinen Stichwaffe. Zwar liest man unter anderem im MS 2732a das die St\u00fccke f\u00fcr den Dolch und das kurze Messer sind, aber das ist kein Widerspruch.<\/p>\n<p>Der degen \/ ader das kurcze mess\u00b0 das czu kamp stiche \/<\/p>\n<p>Denn nat\u00fcrlich sind die Dolchst\u00fccke von Hans Talhoffer und Kollegen auch f\u00fcr das kurze Messer oder Dolchmesser geeignet. Nicht umsonst findet man identische Techniken bei Hans Talhoffer, Joachim Meyer und Achilles Marozzo.<br \/>\nAber das Zufechten ver\u00e4ndert sich doch erheblich wenn ein Dolchmesser verwendet wird.<\/p>\n<p>Steht der Verteidiger mit seinem linken Bein vorn und hat seinen Dolch nebst dem rechten Bein hinten, ist seine erste Verteidigung gegen einen rechten Ober- oder Mittelstich sein linker vorderer Arm. Was gegen einen Dolchstich auch praktikabel und sinnvoll ist. Denn ein Stich l\u00e4sst sich so gut versetzen.<br \/>\nHat der Angreifer jedoch ein Dolchmesser und wir auch, ist das nicht mehr ganz so ideal. Der linke vordere Arm wird so schnell zum Ziel f\u00fcr schnell vorgetragene Schnitte des Gegen\u00fcber.<br \/>\nDiesen l\u00e4sst sich besser begegnen wenn wir unseren rechter Fu\u00df und das Dolchmesser vorn haben. So haben wir die M\u00f6glichkeit mit gegen schnitten, oder Klinge gegen Klinge zu kontern. Abgesehen davon das wir selbst viel schneller mit Schnitten attackieren k\u00f6nnen wenn sich unsere Waffe vorn befindet.&nbsp;Ich denke das ist der Grund f\u00fcr die Ver\u00e4nderte Auslage.Die Fu\u00dfarbeit bei Joachim Meyer und Achilles Marozzo<\/p>\n<p>Sowohl Joachim Meyer als auch Achilles Marozzo, ein italienischer Zeitgenosse von Joachim Meyer, weichen in Ihrer Fu\u00dfarbeit von der fr\u00fcherer Fechtmeister ab.<br \/>\nDie Fechtmeister des 15. Jahrhunderts stehen in der Ober-, und Mittelhut mit dem linken Fu\u00df vorn und halten ihren Dolch dabei hinten. Um aus dieser Hut zu attackieren f\u00fchren sie einen Passierschritt aus, bei dem der rechte Fu\u00df und die Waffe nach vorn kommen.<br \/>\nJoachim Meyer und Achilles Marozzo dagegen haben in diesen beiden Huten den rechten Fu\u00df, und ihren Dolch vorn. Wenn sie aus diesen Huten attackieren, tun sie das mittels eines Gleitschritts, bei dem der rechte Fu\u00df vorn bleibt.<br \/>\nAuch wenn sie aus diesen Huten mit Ihrer Waffe versetzen, bleibt ihr rechter Fu\u00df vorn.<br \/>\nAls ich mich anf\u00e4nglich mit Joachim Meyer besch\u00e4ftigte, dachte ich das dies eine Eigenart von ihm sei und ihm das halt einfach zutr\u00e4glicher erschien.<\/p>\n<p>Wobei ich jedoch nicht glaubte das dies einen gravierenden Unterschied zwischen seinem Dolchfechten und dem der Fechtmeister des 15. Jahrhunderts darstellte. Zwar ergibt sich dadurch zun\u00e4chst eine abweichende Ausgangssituation. Aber ist der Angriff und damit der Stich erfolgt, haben wir die gleiche Situation wie in den St\u00fccken des 15. Jahrhunderts. Waffenhand und rechter Fu\u00df befinden sich nach dem Stich vorn. Abgesehen davon gehe ich davon aus, das es den Fechtmeistern des 15. Jahrhunderts nicht unvertraut war, sich in einer Stellung wiederzufinden in denen ihr rechter Fu\u00df und die Waffe vorn sind. Einfach weil sich das in einem Gefecht ergeben kann, wenn man sich verstochen hat oder der Attackierte dem Angriff nach hinten ausweicht. Diesen Umstand werden sie nicht ignoriert haben.<\/p>\n<p>Nachdem ich mich aber gerade vermehrt mit Dolchmessern besch\u00e4ftige, glaube ich nicht mehr das es sich dabei um eine Eigenart von Joachim Meyer handelt. Vielmehr glaube ich das die Ver\u00e4nderung der Auslage den ver\u00e4nderten Waffeneigenschaften geschuldet ist.<br \/>\nDaf\u00fcr spricht das sowohl Joachim Meyer als auch Achilles Marozzo sich nicht mehr vorrangig mit dem Dolch, sondern mit Dolchmessern besch\u00e4ftigen.<br \/>\nBei Achilles Marozzo ist offensichtlich das er sich mit dem Dolchmesser besch\u00e4ftigt. Er schreibt von Schnitten und die Abbildungen lassen \u00fcber die verwendete Waffe keinen Zweifel aufkommen.&nbsp;Bei Joachim Meyer sieht das ein wenig anders aus. Sieht man sich die Abbildungen in seinem Werk \u201eGr\u00fcndliche Beschreibung der freyen Ritterlichen unnd Adelichen kunst des fechtens in allerley gebreuchlichen Wehren\u201c an, identifiziert man eindeutig einen Scheibendolchsimulator. Schaut man sich in dessen Dolchteil jedoch auf Tafel D das Paar ganz links an, sieht man das sie Dolchmesser verwenden. Ich vermute deshalb das Joachim Meyer, wie es zu seiner Zeit passen w\u00fcrde, sich auf Dolchmesser bezieht und die Scheibendolchsimulatoren lediglich als Trainingsinstrument verwendet wurden.<\/p>\n<p>Die Fechtmeister des 15. Jahrhunderts dagegen besch\u00e4ftigten sich vorrangig mit dem Dolch, einer reinen Stichwaffe. Zwar liest man unter anderem im MS 2732a das die St\u00fccke f\u00fcr den Dolch und das kurze Messer sind, aber das ist kein Widerspruch.<\/p>\n<p>Der degen \/ ader das kurcze mess\u00b0 das czu kamp stiche \/<\/p>\n<p>Denn nat\u00fcrlich sind die Dolchst\u00fccke von Hans Talhoffer und Kollegen auch f\u00fcr das kurze Messer oder Dolchmesser geeignet. Nicht umsonst findet man identische Techniken bei Hans Talhoffer, Joachim Meyer und Achilles Marozzo.<br \/>\nAber das Zufechten ver\u00e4ndert sich doch erheblich wenn ein Dolchmesser verwendet wird.&nbsp;<\/p>\n<div class=\"SlwI7e\" data-cai=\"c182\">\n<div id=\"body:c182\">\n<div class=\"i8Zvz\">\n<div class=\"R6Ozpf sMVRZe\" data-th=\"180\">\n<div class=\"jVjeQd\" dir=\"ltr\">Steht der Verteidiger mit seinem linken Bein vorn und hat seinen Dolch nebst dem rechten Bein hinten, ist seine erste Verteidigung gegen einen rechten Ober- oder Mittelstich sein linker vorderer Arm. Was gegen einen Dolchstich auch praktikabel und sinnvoll ist. Denn ein Stich l\u00e4sst sich so gut versetzen.<br \/>\nHat der Angreifer jedoch ein Dolchmesser und wir auch, ist das nicht mehr ganz so ideal. Der linke vordere Arm wird so schnell zum Ziel f\u00fcr schnell vorgetragene Schnitte des Gegen\u00fcber.<br \/>\nDiesen l\u00e4sst sich besser begegnen wenn wir unseren rechter Fu\u00df und das Dolchmesser vorn haben. So haben wir die M\u00f6glichkeit mit gegen schnitten, oder Klinge gegen Klinge zu kontern. Abgesehen davon das wir selbst viel schneller mit Schnitten attackieren k\u00f6nnen wenn sich unsere Waffe vorn befindet.Ich denke das ist der Grund f\u00fcr die Ver\u00e4nderte Auslage.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"i8Zvz\">&nbsp;<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sowohl Joachim Meyer als auch Achilles Marozzo, ein italienischer Zeitgenosse von Joachim Meyer, weichen in Ihrer Fu\u00dfarbeit von der fr\u00fcherer Fechtmeister ab. Die Fechtmeister des 15. 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